Es ist ein erstaunlicher Prozess. Wir fangen als ein paar Zellen an, die sich zu einem komplexen menschlichen Wesen mit hoch differenzierten Organen und biochemischen Prozessen entwickeln. Sehen Sie sich das Gehirn mit seinen Milliarden von Nervenzellen und Milliarden von Verbindungen an. Wie geschieht das? Unsere Gene steuern, wie diese Verbindungen zustande kommen. Ein Gen weist zum Beispiel Zellen in der Netzhaut des Auges an, sich mit dem okzipitalen Kortex ganz hinten im Gehirn zu verbinden. Auf diese Weise können die Informationen, die das Innere des Auges empfängt, vom Gehirn „gesehen“ werden. Es braucht eine andere Verbindung zu anderen Teilen des Gehirns, um das Gesehene zu interpretieren und zu erkennen.

Synaptisches Pruning
Unsere Erfahrungen und das, was wir in unserem Leben tun, bestimmen, wie sich unser Nervensystem entwickelt. Manche Verbindungen werden gebraucht, andere können gelöscht werden. Jahrelang bezog sich der Begriff „Use it or lose it“ auf körperliche Fähigkeiten und Muskelmasse, aber jetzt wissen wir, dass er auch für das Gehirn und die Kognition gilt. Wir ermutigen Menschen im Alter, sich sozial und kognitiv zu engagieren – Kreuzworträtsel, Lesen und Gruppenaktivitäten. Wenn wir lernen, schaffen wir neue Verbindungen, die unser Gehirn formen. Das Gehirn ist „plastisch“ und bildet neue Verbindungen durch wiederholte Aktivitäten, Übung und neues Lernen. Diese Konzepte gelten auch für die Schlaganfallrehabilitation.

Wiederherstellungsprozess
Es gibt mehrere Prozesse, die im Nervensystem zum Zeitpunkt einer Verletzung und während der Wiederherstellung ablaufen.

  • Rückbildung des Ödems: Ein akuter Schlaganfall, eine Hirn- oder Rückenmarksverletzung kann mit Schwellungen und Ödemen verbunden sein. Es gibt auch komplexe chemische Veränderungen, die auf zellulärer Ebene stattfinden.
  • Auflösung der Diaschisis: Diaschisis (dī-ās‘-kĭ-sĭs) bedeutet die Abschaltung von Netzwerken im gesamten Nervensystem. Stellen Sie sich das Nervensystem als ein elektrisches Netz vor. Wenn jemand einen Schlaganfall oder eine Hirnverletzung erleidet, gibt es Teile des Gehirns, die von den Verletzungen entfernt sind und sich im selben Netzwerk befinden. Sie schalten sich zunächst ab, aber mit der Zeit kommen sie wieder in Gang, und wir sehen, wie sie sich erholen und ihre Funktionen zurückkehren.
  • Verhaltenskompensation: Dies ist das, was traditionell in der Rehabilitation durchgeführt wurde. Die Patienten lernen, wie sie ihre Schuhe mit einer Hand zubinden können oder wie man ein Wippmesser benutzt. Dies sind wichtige Fähigkeiten, die aber dazu führen können, dass der betroffene Arm oder das betroffene Bein nicht mehr benutzt werden.
  • Neurale Plastizität: Es ist die Überzeugung, dass das Gehirn auch im späteren Leben noch zu Veränderungen fähig ist. Wenn ein Teil des Gehirns geschädigt ist, kann ein anderer Teil die Funktion bei entsprechender Rehabilitation übernehmen. Wenn jemand sein Sprachzentrum auf der linken Seite des Gehirns verliert, kann er möglicherweise die rechte Seite seines Gehirns nutzen.

Neurale Plastizität
Das zentrale Nervensystem (einschließlich Gehirn und Rückenmark) kann nach einer Verletzung wiederhergestellt werden. Diese Eigenschaft wird als neuronale Plastizität bezeichnet. Das Gehirn formt seine Funktionsweise ständig um, wenn es mit neuen Anforderungen in der Umwelt konfrontiert wird. Wenn jemand eine neue Fertigkeit erlernt, sei es Golf oder Geige, kommt es durch die wiederholte Übung, die notwendig ist, um eine Aufgabe zu bewältigen, zu Veränderungen im Gehirn. Die neuronale Plastizität ist die Grundlage für das Lernen in einem normalen Gehirn und für das „Umlernen“ in einem geschädigten Gehirn. Die Rehabilitation ist der Schlüssel zu diesem Umlernprozess.

Rehabilitation nach einer Verletzung fördert die Umstrukturierung des Gehirns. Mit einer angemessenen Therapie, bei der die richtige Dosis an funktionellen Aufgaben eingesetzt wird, können Bereiche des Gehirns, die zuvor nicht an einer bestimmten Aufgabe beteiligt waren, rekrutiert werden, um diese Funktion anstelle des geschädigten Gehirns auszuführen. Ohne eine angemessene Rehabilitation wird diese Umstrukturierung des Gehirns jedoch nicht stattfinden, und der Patient wird nicht die bestmögliche Wiederherstellung seiner Funktion erreichen. Aus umfangreichen Forschungsstudien wissen wir, dass es „funktionelle“ Aufgaben (und nicht nur zufällige Aktivitäten) braucht, um das Gehirn neu zu verdrahten.

Es ist zwar wichtig, dass man sich sofort um die Rehabilitationsbedürfnisse kümmert, aber viele Patienten verfügen über ein Reservoir ungenutzter Fähigkeiten und können sich noch Monate bis Jahre nach einer Verletzung oder einem Schlaganfall verbessern. Die Rehabilitation, das wiederholte Üben funktioneller Aufgaben, ermöglicht es, neue Bereiche zu rekrutieren, um die Funktion der geschädigten Bereiche zu übernehmen.

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